Briefe an mich und meine Antworten

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Zum Thema "Sozialphobie" erhielt ich folgenden Brief:

Sehr geehrter Herr Pollak,

Ich leide wohl seit 1 1/2 Jahren an einer Sozialphobie, die durch eine Party mit anschließendem Krankenhausaufenthalt wohl richtig herausgekommen ist. Seitdem fällt es mir schwer wegzugehen, wenn ich weiß, dass ich z.B. im Mittelpunkt stehe, nicht gehen kann, wenn ich wieder einen Panikanfall bekomme usw.  Ich versuche dann im Vorfeld, immer einige "Fluchtwege" aufzutun und verderbe mir somit meistens den Spaß am Abend. Diese Attacken äußern sich in Magen-Krämpfen, Schweißausbrüchen, Schwindelgefühl u.v.m.

Ich habe mich jetzt dazu entschlossen, professionelle Hilfe anzunehmen, wenn dies möglich ist. Kann man mit einer Therapie den Angstzuständen entgegenwirken? Da ich nächstes Jahr heiraten möchte und mir jetzt schon ganz schlecht bei dem Gedanken wird, im Mittelpunkt zu stehen, nicht fort zu können und so weiter, denke ich es wird höchste Zeit. Vielen Dank für Ihre erste Rückantwort! 

Meine Antwort:

Gern will ich Ihre Anfrage kurz beantworten. Mit Sicherheit handelt es sich bei der von Ihnen beschriebenen Symptomatik um eine behandlungsbedürftige Angststörung, und ich hoffe, dass Sie bald einen kompetenten Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden. Es gibt die sog. Verhaltenstherapie, die bei solchen Störungen oft sehr hilfreich ist. Ich selbst bin ein tiefenpsychologisch orientierter Behandler und versuche, die unbewussten Zusammenhänge und Konflikte zu ergründen. In Ihrem Fall würde ich beispielsweise den Umstand besonders berücksichtigen, dass Sie bald heiraten wollen. Es stellt sich sodann die Frage, ob das Auftreten der Ängste damit zu tun haben könnte, zumal Sie ja jetzt schon davor Angst haben, dann wieder im Mittelpunkt zu stehen. Die eigentliche Angst könnte aber eine ganz andere sein und wäre mit einem unbewussten Konflikt verbunden.

Zum Thema "Pubertät" erhielt ich folgenden Brief:

(Es handelt sich um eine Anfrage über den Dienst "Wer weiß was")

Ich bin auf der Suche nach einer Erklärung für eine Frage, die mich schon länger beschäftigt: Gibt es irgendwelche Erfahrungen darüber, ob Jungen, die in der Pubertät ihre ersten sexuellen Höhepunkte in so genannten „feuchten Träumen“ hatten, sich im Erwachsenenalter anders verhalten als Jungen, bei denen dieses ausgeblieben ist, d.h. die den Orgasmus ausschließlich durch Selbst-Stimulation kennen gelernt haben? Haben Sie vielleicht auch grundsätzlich ein paar Informationen über diese Form des Orgasmus, der ohne „mechanische Außeneinwirkung“ (klingt doch recht abstrakt!) zustande kommt? Ich habe so einen Fall in der Familie. Mein Neffe, zu dem Jungen habe ich ein sehr gutes Verhältnis, hat mir davon erzählt, dass er darunter leidet, niemals „feuchte Träume“ gehabt zu haben. Der erste – und alle folgenden – Orgasmen sind bei ihm durch Selbstbefriedigung entstanden. Um es kurz zu sagen: Er hält sich für emotionslos, weil er niemals erotische Träume hatte, die bei ihm zum Höhepunkt geführt haben. Ich habe ihm versprochen, mich mal schlau zu machen, was sich als schwierig herausstellt. Leider konnte ich auch nicht herausfinden, wie ungewöhnlich dieses Phänomen ist. 

Meine Antwort:

Grundsätzlich ist es wohl so, dass vor allem die Jungen und auch Erwachsenen eine sog. Pollutio nocturna haben, die ansonsten keine oder wenig sexuelle Aktivitäten und Orgasmen haben. Es ist dann rein physiologisch so, dass eine Art Stau entsteht, der sich im Schlaf und in Verbindung mit entsprechenden Träumen dann entlädt, übrigens vermutlich auch mit einem Minimum an Stimulierung verbunden, die im Schlaf erfolgt. Ihr Neffe hatte sicher auch solche Träume, erinnert sich aber nicht daran. Dadurch dass er aber häufiger onaniert, passierte nachts dann nichts. Man kann es selbst ausprobieren: Wenn man lange genug abstinent ist, dann genügt eine geringe Stimulierung, um einen Orgasmus auszulösen, auch im Wachzustand. Und wenn da nichts passiert, dann geschieht es nachts. Ob bei Jungen bez. der späteren Entwicklung hier Unterschiede bestehen, ist schwer zu sagen. Vielleicht gilt: Früh übt sich, wer ein Meister werden will.

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut.

Zum Thema "Familienaufstellen" erhielt ich folgenden Brief:

(Es handelt sich um eine Anfrage über den Dienst "Wer weiß was")

Befasse mich gerade mit Familienaufstellungen nach der Phänomenologischen Psychotherapie nach Bert Hellinger.
Würde gerne Ihre Meinung dazu wissen, da ich bislang nur Positives gehört habe und ich dieser Therapie sehr skeptisch gegenüberstehe.

Meine Antwort:

Gern will ich Ihre Anfrage bez. der Familientherapie nach B. Hellinger beantworten. Zwar habe ich mich schon intensiv mit verschiedenen Ansätzen der Familientherapie beschäftigt, leider aber noch nicht mit dem "Familienaufstellen" nach B. Hellinger. Eine Kollegin, die zuvor im Ausbildungsinstitut von Maria Bosch Weinheim den Ansatz nach Virginia Satir lehrte, arbeitet inzwischen in Anlehnung an B. Hellinger. Deshalb vermute ich, dass es sich um eine Weiterentwicklung des gestaltorientierten Ansatzes handelt, den ich ein wenig kenne. Es wird dort beispielsweise die sog. Familienrekonstruktion praktiziert, wobei wichtige Szenen aus der Kindheit in einer Art Rollenspiel dargestellt und besprochen werden. Die Ähnlichkeit mit psychodramatischen Therapieansätzen ist vorhanden, und es wird wohl eine Art kathartische Lösung von psychischen Konflikten angestrebt. In meiner Arbeit versuche ich eher psychoanalytische und systemische Elemente in der Arbeit mit Familien einzusetzen, wobei ich von der Wirksamkeit überzeugt bin. Immer spielt aber meiner Auffassung nach die Beziehung mit dem Therapeuten, die sog. Übertragung, eine wesentliche Rolle. Die Arbeit nach B. Hellinger ist wohl, wenn sie von einem kompetenten Behandler eingesetzt wird, nicht als negativ einzuschätzen.

Zusatz: In einem Artikel las ich gerade, dass bei B. Hellinger wohl auch eine spirituelle Komponente mitspielt und auch der Vorwurf der Esoterik geäußert wird. 

Zum Thema "Psychoanalyse" erhielt ich folgenden Brief:

(Es handelt sich ebenfalls um eine Anfrage über den Dienst "Wer weiß was")

Sie haben freundlicherweise Ihr Fachwissen zum Thema 'Psychoanalyse' angeboten, und so möchte ich mich heute mit einer dringenden Fragestellung an Sie wenden: Wenn ich mich kurz vorstellen darf:
Ich bin männlich, Ende zwanzig, habe ein abgeschlossenes
Hochschulstudium., wohne in einer 4er-WG.
Nach einer ca. 7jährigen leidvollen Depressionskarriere werde ich
zur Zeit ambulant mit 'tiefenpsychologisch orientierter
Gesprächspsychotherapie' (GPT) (gestaltherapeutische Ausrichtung)
begleitet. 
Was mir auch sehr gut bekommt. 
Kein Alkohol. Keine Medikamente. 
Keine Beziehung, diese ging in harter depressiver Krise Sommer '99
verloren.

Nach einer eingehenden Beratung in ihrer Supervision kam nun meine
Therapeutin nach ca. 8 Stunden zu dem Schluss, mir bei der Schwere
meines Falles mit 1-2 h GPT pro Woche keine adäquate Plattform
bieten zu können. 
Man schätzt meinen Fall als eine schwere frühe narzisstische
Entwicklungsstörung ein und rät mir für eine Heilung zu einer
Psychoanalyse mit mehreren Sitzungen/Woche (geschätzte Dauer: '4 bis
5 Jahre'). 
Angestrebtes Ziel: Aufbau eines 'Selbst'...
Man denkt in meinem Falle an ein 'nicht-liegendes Setting', gerade
weil ich immer ein großes Gefühl der Entfremdung und des
Verlorenseins in mir habe.
Ich halte diese Einschätzung und Beratung für zutreffend und
vertraue ihr.
Trotzdem ist dies natürlich ein großer Schock für mich, mich einer
derartigen Beschreibung meines seelischen Zustandes konfrontieren zu
müssen.

Ich bin bereit, mich auf diesen langen Weg der Psychoanalyse zu
begeben, habe aber größte Ängste, vielleicht 'hinterher' wieder
die Wirkungslosigkeit des Versuches (weil irgendwie das
therapeutische Angebot mich doch nicht erreichte..) erkennen zu
müssen. Das darf, bei aller Hingabe, die ich in meine Heilung lege,
unter gar keinen Umständen passieren!
-Ich habe knapp 100 Stunden GPT hinter mir, in denen ich nach allen
Kräften arbeitete, quasi ohne Lösung!..; einige Monate später
schwere depressive Phase; 9woechiger Aufenthalt in einer
Psychosomatischen Klinik - gestalttherapeutische Ausrichtung,
gruppenorientiert - dies half mir sehr, mich etwas besser begreifen
zu können.

Nun zu meinen Fragen:

Bei Ihrer Erfahrung... 
• welche wichtigen Ratschläge bzgl. einer Psychoanalyse und seines
Settings können Sie mir machen (es gibt da sicherlich diverse
Methoden, Schulen, Ausrichtungen)?

• Worauf sollte ich unbedingt achten?

• Wo liegen für mich die größten Fallen, Hürden, Hindernisse - 
nicht prozessimmanent unbedingt gemeint, sondern in der von mir zu
leistenden Vorauswahl?

• Können Sie mir Literaturempfehlungen für einen Laien geben,
welche mir helfen, mich zu orientieren und mir einen erleichterten
thematischen Zugang finden zu lassen zu dem, was mich erwartet.
(bekanntlich soll Psychotherapie besser funktionieren, wenn der
Patient sich gut informiert fühlt)

• Oder müssen Sie mir gar von der anvisierten Therapiemethode
kategorisch abraten und haben eine ganz andere vielversprechende
Empfehlung für mich?

• ich schätze, bei allem hingebungsvollen Bemühen um Wohlbefinden,
seit Juni 99 insgesamt höchstens bloß ca. zwei gute Wochen gehabt
zu haben. Durch die Dauer einer von Niedergeschlagenheit und einem
Gefühl des absoluten Verlorenseins bestimmten Phase fühle ich mich
langsam 'sturmreif' geschossen. So kann ich unmöglich weiter die
Tage irgendwie konstruktiv nutzen. Ich denke daher langsam über
einen phasenweisen, 'taktischen' Einsatz von Medikamenten nach. 
(jedwelche Dosis Johanniskrautextrakt bleibt bei mir, auch nach
mehreren Monaten, ohne jede fühlbare Wirkung; in einer Akut-Phase
nahm ich für ca. 10 Tage 'Remergil', was mich in eine schwummrige,
unangenehme Distanz zu mir brachte.)
Können Sie mir einen guten Rat geben?!!

Meine Antwort:

Gern will ich Ihre Anfrage zur Psychoanalyse beantworten. Ich habe selbst eine vierjährige Analyse, dreimal pro Woche und auf der Couch hinter mich gebracht und kann sagen, dass mir diese viel gebracht hat und mir weitergeholfen hat. Natürlich war sie für mich auch zu Ausbildungszwecken wichtig. Ob für Sie eine Analyse indiziert ist und das sitzende Setting besser ist, vermag ich nicht zu beurteilen, und Sie sollten Ihrer Therapeutin in dieser Hinsicht vertrauen. Haben Sie Zweifel, konsultieren Sie einen anderen Spezialisten und fragen ihn nach seiner Meinung. Bei Depressionen ist vor allem die Frage wichtig, ob es sich u. U. um eine sog. endogene Depression handelt, wobei erbliche und hirnstoffwechselbedingte Faktoren vermutlich eine größere Rolle spielen. Allgemein hat sich bei Depressionen eine Kombinationsbehandlung Psychotherapie und medikamentöse Einstellung bewährt. Sie sollten also auf jeden Fall auch einen guten Psychiater zu Rate ziehen. Bei der Auswahl des Psychotherapeuten oder Analytikers sollten Sie nicht den ersten Besten nehmen, sondern Probesitzungen bei verschiedenen Therapeuten machen, falls die Wartezeiten nicht zu lang sind. Ein Erstgespräch kann man aber meist immer recht schnell bekommen, auch wenn die eigentliche Analyse erst später beginnt. 

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut.

 

Zum Thema Bulimie und Psychoanalyse erhielt ich folgenden Brief:

Ich bin seit August diesen Jahres in psychotherapeutischer Behandlung, d. h. ich mache eine Psychoanalyse. Ich leide an Bulimie.

Ich verstehe den Sinn dieser Analyse nicht. Ich komme meist sehr verunsichert aus diesen Stunden (3 x wöchentlich) und frage mich, was. Ich erhalte keine Antworten auf meine Fragen, ich rede eigentlich mit mir selbst und fühle mich danach sehr allein gelassen... Ich werde das Gefühl nicht los, dass so eine Therapie eine Art Spiel ist: "Wer ist stärker, wer ist schwächer, wer hat das letzte Wort". Soll mich das anregen, mich zu hinterfragen? Worin besteht die Hilfe, die ich ja dort suche? Ich bin verwirrter denn je, weiß nicht wer ich bin, warum ich bin und ob meine Therapeutin nicht vielleicht doch nur ihren Job macht und damit ihr Geld verdient, dass ich mich bei ihr auf die Couch lege... Kann es sein, dass ich mit meiner Therapeutin nicht harmoniere, oder sie mich nicht versteht?
Wie hoch sind die Heilungschancen für Bulimikerinnen in Kliniken für Essgestörte? Was genau wird dort gemacht? Ab wann hat man eine Indikation dafür? Ich will diese Krankheit endlich loswerden. Ich will etwas unternehmen, aber ich bin unsicher, was das richtige für mich ist. Ich halte den Zustand nicht mehr lange aus. Ich fühle mich krank, isoliere mich immer mehr, bin nicht mehr arbeitsfähig und sehe keinen Sinn mehr im Leben.

Meine Antwort:

Ihre Analyse hat erst begonnen, und Sie sollten unbedingt über Ihre Schwierigkeiten mit der Therapeutin reden. In der Bulimie findet eine Regression auf die orale Entwicklungsstufe statt, wo man verwöhnt wird und gesättigt werden will. In der Analyse ist aber Frustration angesagt: man bekommt wenig vom Therapeuten und muss selbst viel geben. Ich habe selbst eine 4jährige Analyse gemacht und kenne mich da aus. Wenn man durchhält, kann das Ergebnis einen neuen Menschen aus einem machen. Ganz wichtig sind die Übertragungsphänomene, und ich vermute, dass Sie im Moment eher negative Gefühle der Therapeutin gegenüber haben, die möglicherweise aber mit einer wichtigen Bezugsperson aus Ihrer Kindheit zu tun haben, von der sie zu wenig bekommen haben. Vielleicht können Ihnen diese Gedanken ein wenig weiterhelfen. Mit den besten Grüßen für eine weiterhin erfolgreiche Analyse 

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut.

Zum Thema Träume erhielt ich folgenden Brief:

Hallo !

Ich bin ca.34 Jahre alt und ich habe ein Problem und zwar
habe ich vor ca.2 Jahren genau wirklich das in meinen Träumen erlebt, was
sich letztens wirklich zugetragen hat (genauer gesagt, waren es zwei Träume und zwei Ereignisse).
Es ist zwar ein total "cooles" Gefühl, wenn man ganz genau weiß, was in
der nächsten Sekunde passiert, aber im Nachhinein macht es einen doch ein
wenig nachdenklich !

Was mir nun daran Sorgen bereitet, ist folgendes:
- gibt es eine "Übernatürliche Wahrnehmung" ?
Es heißt, in meiner Familie ist "so etwas" schon öfters vorgekommen
(sprich, hat meine Tante von zwei Schock Eiern geträumt, war am nächsten
Tag einer aus der Verwandtschaft tot).
- sollte einem so etwas Sorgen bereiten
und sollte man sich seine Träume öfters (wenn sie sehr "intensiv" sind)
aufschreiben ?

Meine Antwort:


Hallo!
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich glaube zwar nicht daran, dass Träume uns die Zukunft vorhersagen, aber ich denke schon, dass sie uns wertvolle Hinweise geben können über unser Leben und unser Geschick. Dabei werden vermutlich unbewusste Inhalte analysiert und verwertet und uns dann in verschlüsselter Form im Traum präsentiert. Man sollte also auf jeden Fall Träume beachten und sie evt. auch aufschreiben, um sie nicht zu vergessen, da sie im allgemeinen recht schnell aus dem Gedächtnis schwinden. Zufällig kann natürlich auch ein Traum mit einem darauffolgenden Ereignis zusammentreffen, und man kann dann glauben, es sei ein Zusammenhang da. So entsteht ja auch Aberglauben: eine schwarze Katze läuft uns über den Weg, und danach passiert wirklich etwas Schlimmes. Da macht es nichts, dass uns zuvor sehr oft eine solche Katze begegnet ist, ohne dass was geschah.
An übernatürliche Wahrnehmung glaube ich auch nicht, wohl aber an besondere Sensibilität und Intuition. 

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut.

Zum Thema "NLP" erhielt ich die folgende Anfrage:

Guten Tag, Herr Pollak.

Ich brauche -vorerst- keine Therapie, sondern wollte nur den Rat eines Fachmanns 
"auf der Metaebene" einholen.
Die Sache ist die:
Vor einiger Zeit bin ich von einem Freund auf NLP aufmerksam gemacht worden. 
Da ich ohnehin zu der Zeit wenig gefordert war, besorgte ich mir diesbezüglich 
einiges an Literatur und war recht begeistert, weil alles so einfach klang und mir 
einleuchtete.
Nun meine eigentliche Frage: Steckt hinter NLP eine Sekte, oder ist es harmloser 
Firlefanz? Besteht eine Gefahr dabei oder kann man zumindest mit eigener 
"Lebensverbesserung" rechnen?
Dass es keine echte therapeutische Langzeitwirkung hat, ist mir klar.
Ich wäre für eine Antwort sehr dankbar, Sie brauchen keine Eile zu haben, aber 
wenn Sie gerade mal Lust und Zeit haben, wäre ich für Aufklärung sehr verbunden.

Meine Antwort:

Hallo!
Auf Ihre Anfrage will ich gern antworten. NLP kenne ich ein wenig, weil ich einmal eine Fortbildung in dem Verfahren gemacht habe, allerdings nur eine Einführung. Weitermachen wollte ich nicht, da mich die Methode nicht so begeistert hat. Es handelt sich aber nicht um eine Sekte und erscheint mir auch nicht irgendwie gefährlich. Auch in der Managerschulung wird es eingesetzt, nicht nur in der Therapie. Ich bin von Haus aus Psychoanalytiker, allerdings offen für andere Ansätze. Die systemische Familientherapie hat mich mehr interessiert und überzeugt, und ich arbeite auch teilweise nach diesem Ansatz, der auf der Kybernetik basiert. 

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut.

Zum Thema "Wollen vs. Sollen" erhielt ich folgende Anfrage: 

(Es handelt sich um eine Anfrage über den Dienst "Wer weiß was")

Guten Tag,

habe kürzlich gelesen, dass Frust und psychisches Leid u. a. auch aus nicht erfüllten, bzw. unterdrücken Wünschen u. Bedürfnissen heraus entstehen kann.

Hierzu einige Fragen/Gedanken:

Ist das was wir wollen immer auch das Beste für uns? Ich glaube das jedenfalls nicht. Man kann doch Dinge wollen, bzw. anstreben, die man besser nicht anstreben sollte.

Umgekehrt wären manche Dinge, die wir ablehnen, bzw. nicht wollen sogar gut für uns.

So wie ich das sehe, können wir uns nicht darauf verlassen, dass unsere Wünsche und Bedürfnisse immer sinnvoll sind.

Wie soll man damit umgehen?

Soll man seine Wünsche u. Bedürfnisse am Besten gar nicht hinterfragen? Oder doch? Wenn ja, wie? Kann man das überhaupt?

LG Karl

Meine Antwort:

Ihre Frage ist gut und stellt eine Herausforderung dar! Sie besitzt sogar philosophische Implikationen.

Natürlich sind unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht immer sinnvoll, und sie sind zum größten Teil zudem unbewusst. Dennoch sollte man sie annehmen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Sie gehören ja zu uns und sind aus bestimmten Gründen entstanden. Ist unser Selbst stabil und funktionstüchtig, so werden diese Wünsche und Bedürfnisse gefiltert und auf ihre Berechtigung und Realitätsangepasstheit überprüft.

Hat man zum Beispiel den Wünsch oder das Bedürfnis, seinen Partner oder seine Partnerin umzubringen, so wird man es in der Regel nicht tun, schon aufgrund der drohenden Konsequenzen und weil man, nachdem die Wut verraucht ist, wieder ganz anders denkt und empfindet. Gleichzeitig wäre es aber sehr sinnvoll, sich zu überlegen, woher diese mörderischen Impulse kommen. Vielleicht haben sie nicht nur mit dem Partner oder der Partnerin zu tun, sondern mit einer wichtigen Bezugsperson aus der Kindheit, und die auslösende Situation hatte eine Ähnlichkeit mit einem Vorfall in der Vergangenheit. So könnte dies dazu führen, dass wir uns besser kennen lernen und auch die Beziehungen und Konflikte, in denen wir leben, zu durchschauen.

Manchmal ist man allein nicht in der Lage, dies zu tun, und man benötigt eine psychotherapeutische Hilfe. Oft ist man zumindest teilweise blind in Bezug auf eigene unbewusste Anteile.

Im positiven Sinn hat man vielleicht den Wunsch, einen ganz anderen Beruf auszuüben als den aktuellen, weist diesen Gedanken aber von sich, weil es zu schwierig erscheint oder zu aufwändig. Bei genauerem Hinsehen findet man aber heraus, dass eben dies eine richtige Entscheidung wäre, um sich weiterzuentwickeln.

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut.

Karl:

Hallo,
erst mal vielen Dank!

:.....Ist unser Selbst stabil und
:funktionstüchtig, so werden :diese :Wünsche :und :Bedürfnisse
:gefiltert und auf ihre Berechtigung und Realitätsangepasstheit überprüft.

Stimme ich grundsätzlich zu. Allerdings muss man dazu erst einmal wissen, nach welchen Kriterien diese Prüfung erfolgen soll. Es ist doch letztlich eine Frage der subjektiven Bewertung, was wir wollen und was nicht, was wir gut finden und was nicht, welche Partei wir wählen und welche nicht. Hinter dieser subjektiven Bewertung, also dem ständigen Abwägen von Vor- und Nachteilen steckt wiederum ein Entscheidungsprozess.
Diesem Entscheidungsprozess liegen jedoch viele Annahmen zugrunde, die völlig ungesichert sind.
Beispiel: Mein Onkel war 30 Jahre lang begeisterter Opel-Fahrer. Er hat auf Opel geschworen. Eines Tages musste sein Opel zur Inspektion. Die Werkstatt hatte als Leihwagen keinen Opel zur Verfügung und gab meinem Onkel statt dessen für 2 Tage einen alten BMW Diesel (520er) mit nachhause. Seither wollte mein Onkel nur noch BMW fahren.
Was bedeutet dieses Beispiel? Mein Onkel war lange Zeit lediglich aufgrund falscher Annahmen von Opel überzeugt, d. h. weil er es nicht besser wusste. In diesem Fall wurde der "Irrtum" durch einen Zufall aufgedeckt. Unter anderen Umständen wäre mein Onkel bis zu seinem Lebensende begeisterter Opelfahrer geblieben. Das war jetzt nur ein kleines und unbedeutendes Beispiel, aber wir treffen im Leben 1000te Entscheidungen darüber, was wir wollen, wer wir sein wollen, welches Image wir haben wollen, letztlich welches Weltbild wir uns aneignen. Das Risiko hier falsche Entscheidungen aufgrund falscher Annahmen zu treffen, ist angesichts der Komplexität des Lebens gigantisch groß. Ich würde sogar soweit gehen, dass es purer Zufall wäre, wenn unsere Annahmen zutreffend wären.

Vor allem wollen wir oft auch Dinge, von denen wir glauben, dass sie andere gut finden oder dass auch viele andere sie wollen. Warum gibt es z. B. viel mehr Fans des FC Bayern, als Fans des 1. FC Nürnberg? Weil es sehr komfortabel ist, Bayern-Fan zu sein. Man zieht viel Nutzen daraus, z. B. Sozialprestige. Man hat vielleicht das Gefühl, selbst auch erfolgreich und begehrt zu sein. Dies ist objektiv vielleicht nicht zutreffen, aber das spielt keine Rolle.

:Im positiven Sinn hat man vielleicht den Wunsch, einen ganz
:anderen Beruf auszuüben als den aktuellen, weist diesen
:Gedanken aber von sich, weil es zu schwierig erscheint oder zu
:aufwändig. Bei genauerem Hinsehen findet man aber heraus, dass
:eben dies eine richtige Entscheidung wäre, um sich
:weiterzuentwickeln.

Tsja, das ist die Frage. Ich bin mir da nicht sicher. Ich sehe das Problem darin, dass der Wunsch nach einem anderen Beruf vor allem auf den Vorstellungen davon beruht, wie der andere Beruf wohl wäre. Die Vorstellungen sind höchstwahrscheinlich falsch. Streng genommen müsste man den anderen Beruf erst einmal ausprobiert haben um sicher wissen zu können, ob man diesen Beruf ausüben will.
Man müsste die Folgen dieser Entscheidung, vor die Entscheidung stellen, um wissen zu können, wie man sich entscheiden will. Ein Paradoxon.

 Meine Antwort:

Sie haben mit Ihren Anmerkungen natürlich recht! Unsere Entscheidungen sind immer subjektiv und möglicherweise falsch, da wir von falschen Prämissen ausgehen. Es gibt also immer ein gewisses Risiko. Der Psychologe G. Gigerenzer meint, wir sollten unserem "Bauchgefühl" vertrauen. Es gibt viele Menschen, die sich scheuen, Entscheidungen zu treffen, aus Angst, das Falsche zu tun. Man kann dadurch aber auch Gelegenheiten verpassen und stagnieren. Vor einem Berufswechsel erst einmal das Andere auszuprobieren ist sicher eine gute Möglichkeit, seine Entscheidung abzusichern. Und so ähnlich kann man es generell anstellen, also besser nichts übereilen.
Die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen oder Parteien ist sicher ein komplexer Prozess, der zum Teil auch vom Sozialprestige abhängt. Beim Fußball spielt wohl auch die Nähe eine Rolle. Als gebürtigem Bayer liegt mir München näher als Dortmund, aber da ich kein ausgesprochener Fußballfan bin, wäre mir auch ein Sieg des BVB bei der Champions League recht gewesen. Gut gespielt haben sie auf jeden Fall!

Ihr W. Pollak, Psychologischer Psychotherapeut

 

Zum Thema "Sperre im Kopf" erhielt ich folgende Anfrage: 

(Es handelt sich um eine Anfrage über den Dienst "Wer weiß was")
 

Also ein Freund von mir war in einer Beziehung, er hatte sich nach einiger Zeit eingeengt gefühlt aber nichts zu seiner Freundin gesagt. Dann hat er Schluss gemacht. Seine Liebe besteht im Unterbewusstsein immer noch. Aber irgendwie hat er auf einmal so eine Sperre in seinem Kopf. Die es ihm unmöglich macht eine Beziehung führen zu können. Er möchte frei sein und nur ungern Verpflichtungen eingehen. Er möchte sein Ding machen aber vermisst sie und möchte sie wieder in seiner Nähe haben. Er möchte insgesamt wieder Nähe, aber diese Sperre ist im Weg. Ich möchte ihm helfen. Außerdem weiß er seitdem auch nicht mehr so recht was er möchte. Ich denke das liegt auch an der Sperre und allem. Ich würde mich sehr freuen wenn mir jemand sagen könnte wie man diese Sperre lösen könnte und was man dagegen tun könnte.

 Meine Antwort:  

Es handelt sich um einen unbewussten und ungelösten Konflikt zwischen dem Wunsch nach Bindung und Nähe einerseits und dem Bedürfnis nach Autonomie und Distanz andererseits. Dies wird als "Sperre" wahrgenommen. Möglich ist eine Beziehung schon, wenn man ein optimales Gleichgewicht dieser sich widerstrebenden Tendenzen finden kann. Aber zur Zeit ist die Angst größer. Möglicherweise braucht Ihr Freund professionelle Hilfe, um diesen Konflikt lösen zu können. Sprich: eine Psychotherapie. Da können auch die Ursachen dieser Blockade ergründet werden, die vermutlich in der Kindheit liegen.

 

Falls jemand eigene Gedanken zu diesen Briefen mitteilen möchte, so bitte ich darum, dies zu tun. Ich werde die Mails weiterleiten.

 

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